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Hans Michael Hensel

Heinrich von Kleist entsorgt?

Heinrich von Kleists Büste aus dem Jahre 1816 im Amtszimmer des Bundespräsidenten, fotografiert im Oktober 2013. Bildquelle: Günther Emig

Kleist-Experte mit Kleist

Hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der eben erst Schlagzeilen machte, als er in wohl inzwischen üblicher neudeutscher Art auf einen Schlag fast zwei Dutzend Günstlinge und Protegés in die hochbezahlte Personalriege des Bundes­präsidialamts einführte, eine wertvolle Büste des Dichters Heinrich von Kleist aus dem Jahre 1816 in Schloß Bellevue entsorgt? Eine Pressemitteilung des Kleist-Archivs Sembdner in Heilbronn stellt diese Frage.

Das „Entsorgen“ von Menschen und Geschichte ist ja  derzeit „in“. Egal ob es um ein Bild des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt in Uniform in einer Kaserne, ein Kreuz auf der Kuppel des Berliner Stadtschlosses, oder um eine Bundesabkanzlerin geht, die ein „mieser, dreckiger Hetzer“ wie der Bundestags-Hinterbänkler Johannes Kahrs‏ oder auch der derzeitige Bundesaußenminister Sigi Pack, den man auch als Stinkefinger-Sigi kennt, schon lange gerne „rückstandsfrei entsorgen“ wollen.

Aber zurück zur Kleist-Büste. Das Amtszimmer des letzten Bundespräsidenten sah im Jahre 2013 so aus, wie auf dem unteren Bild dargestellt. Die Kleist-Büste befand sich direkt neben der Türe.

Dazu der Wortlaut der Pressemitteilung:

Johannes Rau ließ sich großformatig neben ihr ablichten. Als Horst Köhler sein Amt antrat, war sie noch da, wie ein Foto der BILD-Zeitung beweist, und auch bei Bundespräsident Joachim Gauck hatte sie ihren Ehrenplatz. Doch wie Filmaufnahmen der ZDF-Nachrichtensendung „heute“ anläßlich von Bundespräsident Steinmeiers Bürgerempfang vom 9. September 2017 belegen, ist sie, kaum daß dieser ein halbes Jahr im Amt ist, aus seinem Amtszimmer im Schloss Bellevue verschwunden: die Büste des Dichters Heinrich von Kleist (1777-1811), dessen 200. Todestag noch vor wenigen Jahren mit zahllosen Veranstaltungen und enormem finanziellem Engagement des Bundes weltweit gedacht worden ist.

Besorgt fragt man sich nun in der Kleist-Szene: Wo ist die Kleist-Büste abgeblieben? Ist sie nur zeitweise entfernt worden und kehrt bald an ihren angestammten Platz zurück? Oder mag etwa unser amtierender Bundespräsident den Dichter am Ende gar nicht? Und wenn er ihn nicht mag: Welche Gründe könnte es dafür geben? Eine diesbezügliche Anfrage beim Bundespräsidialamt läuft. Auf die Antwort sind sicher nicht nur Kleist-Freunde gespannt.

Das Arbeitszimmer des Bundespräsidenten in Berlin, Schloß Bellevue, im jahre 2013. Auf dem Bücherregal links die Kleist-Büste von Wichmann, rechts eine Büste des Reichspräsidenten Ebert. Bild: Günther Emig

Das Arbeitszimmer im Schloß Bellevue (2013).

Literaturhinweis: Günther Emig: Der Dichter und der erste Mann im Staat. Die Kleist-Büste im Büro des Bundespräsidenten in Schloß Bellevue. Heilbronner Kleist-Blätter Nr. 25, 2013, 324–338, Bibliographische Daten am Ende des Aufsatzes. Kostenlos herunterladbar, 3,3 MB. Die komplette Druckausgabe kann man zum Preis von 20 Euro beim Kleist Archiv bestellen.

Kleist-Archiv Sembdner, Berliner Platz 12, 74072 Heilbronn, E-Mail: kleist@kleist.org. Tel. (0 71 31) 56-26 68. Fax (0 71 31) 56-36 99; www.kleist.org. www.Kleist-Shop.de. www.Das-Käthchen-von-Heilbronn.de

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