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Hans Michael Hensel

Das tote Kind am Strand

Das tausendfach geteilte Twitter-Bild. Wer hat versagt? Quelle: https://twitter.com/LizSly/status/639042438984699904 (Bildschirmfoto)

Wer hat versagt?

Ergänzung 15. September: Inzwischen gibt es Hinweise, daß der Vater, der als einziger der Familie eine Schwimmweste trug, das Boot wohl selbst gesteuert hatte und damit selbst ein Schlepper war.

Ein schlimmes Bild. Ein unschuldiges Kind, tot. Warum? Man möchte beim Anblick weinen, fragen: wer hat versagt? Und dennoch ist dieses Bild des Kurdenjungen Aylan, jedenfalls so wie es in Medien seit gestern instrumentalisiert wird, eines der verlogen­sten Symbol­bilder, die mir je untergekommen sind. Denn wie man es auch dreht oder wendet: der Vater dieses Jungen  ist ein Musterbeispiel für keinen Grund, als Kriegsflüchtling in Europa aufgenomen zu werden.

Abdullah Kurdi war vor drei Jahren, also ungefähr zu dem Zeitpunkt, als seine Frau Rehan den kleinen Aylan geboren hat (ihr zweites Kind nach dem damals zweijährigen Galip), von Syrien in die Türkei gezogen. Er lebte unter anderem von der Unterstützung seiner Schwester Tima, die in Kanada verheiratet ist.

Abdullah Kurdi, a Kurdish Syrian who has been in Turkey for three years and previously lived in Damascus…

Quelle: http://www.theguardian.com/world/2015/sep/03/father-drowned-boy-aylan-kurdi-return-syria

Die Familie lebte also in der Türkei bereits seit drei Jahren. Davor, als vom Krieg der Islamischen Mörderbanden noch keine Rede war, war sie in Damaskus ansässig, bevor der junge Familienvater als Kurde, dessen Landsleute in Syrien auch gegen das säkulare Assad-Regime kämpfen, in die Türkei ging. Nicht nur Kurden fliehen in Syrien vor der Wehrpflicht, in erster Linie derzeit also vor den Halsabschneidern des Islamischen Musterstaats. Gegen die führt nicht nur das Assad-Regime einen erbitterten Kampf ums Überleben, sondern auch Abdullah Kurdis Landsleute führen gegen sie einen geradezu heldenhaften Kampf.

Die Flucht vor diesen Auseinandersetzungen wäre verständlich, wenn es sie in einem Krieg gegeben hätte. Es ist aber kein Asylgrund für einen seit Jahren in der Türkei lebenden Syrer, der über weitere vier oder fünf EU-Länder „flüchten“ müßte, bis er möglicherweise als Asylbewerber in einem Land wie Schweden oder Deutschland in der materiellen Sicherheit eines europäischen Sozialsystems angekommen wäre, während seine Landsleute ihren Kampf gegen Mohammedanerbanden und Erdogans Schergen ohne ihn weiterkämpften.

Am Rande: Viele Christen, Jesiden und andere vom Völkermord bedrohte Menschen, echte Flüchtlinge, fliehen genau dorthin, wo Abdullah Kurdi herkam: nach Kurdistan.

Nachzulesen u. a. hier: https://www.medico.de/die-kurdische-zivilgesellschaft-hilft-zwischen-allen-fronten-14768/

Der Familienvater Kurdi wurde in der Türkei von seiner Schwester in Kanada unterstützt und hatte seit längerem auf weitere Hilfe gedrängt. Nicht jedoch, wie man vielleicht annehmen möchte, zum Überleben seiner Familie, sondern zum Beispiel für eigene Zahnimplantate, die seiner Schwester 14000 Dollar gekostet hätten, und die auch sie nicht so einfach aufbringen konnte, wie von ihm wohl erhofft (siehe Video).

Die Familie war also, im Vergleich zu vielen ihrer Landsleute, die keine Unterstützung von Verwandten im Ausland genießen – und vor allem im Vergleich zu denen, die in Kobane, Abdullah Kurdis Heimatstadt, um ihr Land und ihre Freiheit kämpfen – , relativ priviligiert. Was folgt daraus? Auch wenn es schmerzt: 1. Die Kurdis waren keine Kriegsflüchtlinge, vielmehr handelte es sich um durch die verantwortungslose Politik der westlichen selbsternannten „Wertegemeinschaft“ mitverursachte und nach Europa gelockte Wirtschaftsmigranten. 2. Abdullah Kurdi, seine Schlepper und die Verantwortlichen der oben genannten „Wertegemeinschaft“ haben drei Menschenleben auf dem Gewissen.

Bei allem Mitgefühl für die menschliche Tragödie und die unschuldigen Opfer: Seine Frau wollte offenbar nie und nimmer auf diese Reise, zuletzt hatte sie panische Angst vor dem Wasser, sie war vom Mann zu dieser Flucht überredet oder gezwungen worden. Und die Kinder, für die er Verantwortung trug, wurden ohnehin nicht gefragt.

Der Mann lebte nicht in einem Kriegsgebiet. Sein Wunsch, mit Frau und zwei Kindern nach Europa zu gelangen, in einen Wohlfahrtsstaat wie Schweden oder Deutschland, ist verständlich. Wer will behaupten, daß er es an seiner Stelle nicht auch versucht hätte? Vierköpfige Familien aus Syrien, die in Schweden oder Deutschland automatisch als Kriegsflüchtling anerkannt sind, erhalten dort beträchtliche Unterstützungsgelder, die Kinder genießen kostenlose Ausbildung, die ihnen jeder nur wünschen kann, und für einen Arbeitsplatz und eine Zahnbehandlung reicht es sicher auch noch. Aber letztlich wollte der Mann ja eigentlich nach Kanada zu seiner Schwester. Ob es damit vielleicht geklappt hätte, wenn die Kinder erst einmal ihre Ausbildung auf Kosten eines europäischen Landes beendet hätten?

Was bleibt also letztlich, wenn man der herzzerreißenden Geschichte auf den Grund geht? Ein Mann, der alles auf eine Karte gesetzt, alles verloren und drei tote Familienmitglieder hinterlassen hat. Das ist entsetzlich traurig und erschütternd, wenn man es denn einmal erfährt, wie in diesem Fall. Nur: Ähnliches passiert jedes Jahr millionenfach, ohne daß es irgendjemanden interessiert, solange nicht einer mit Kamera danebensteht und stur draufhält, wenn die Opfer tot im Staub liegen oder an den Strand gespült und aufgesammelt werden. Aber selbst dann noch verbreiten sich Katzen- und Hundevideos im Internet dutzendmal schneller und weiter.

Das Bild des toten Kindes, das niemanden kalt läßt, wird weiter instrumentalisiert werden, vor allem von denen, die an der Katastrophe eigentlich den größten Anteil der Schuld tragen: Fanatische Religioten, je dümmer, desto gläubiger, gleichgültige Diktatoren von Terror-Exportstaaten (Saudi Barbarien, Qatar, Pakistan…), Kriegstreiber (auch solche im Westen) und unfähige westliche Politiker ohne erkennbare Geschichtskenntnisse und ihre peinlichen kritiklosen Gehilfen und Hofberichterstatter, vor allem diejenigen darunter, die sich rotzfrech Journalisten nennen.

Ihretwegen, und vor allem ihretwegen, sind zehntausende Menschen im Mittelmeer ertrunken. Viel mehr als über tote Kinder, die niemand fotografiert hat, regen sich unsere Journalisten und Poliker dennoch mehrheitlich lieber darüber auf, daß zum Beispiel vor Australiens Küste seit zwei Jahren kein einziger ertrunkener Flüchtling mehr gemeldet wurde, seitdem klar ist, daß dort aufgrund einer „rechtspopulistischen“ Politik keiner mehr illegal einwandern kann. Punktum.

Und ebenso regen sie sich darüber auf, daß Länder wie Japan, China oder auch Polen keine Mohammedaner aufnehmen, denn überall, wo dieser rein männliche totalitäre Todeskult einer aggressiven selbsternannten Krone der Menschheit je auftauchte, spaltete er die Gesellschaft, verbreitete Mord und Totschlag, Folter, Vergewaltigung, Raub, Inzucht, Sklaverei und Erniedrigung, und das seit 1400 Jahren. Ich schreibe vom Islam als faschistische (totalitäre) politische Ideologie, nicht von einzelnen Menschen, die im besten Fall ihren indoktrinierten Aberglauben heute zum Glück genauso „ernst“ nehmen wie wir den unseren, ebenso nutzlosen.

Überforderte Politiker, heuchlerische oder naive „Aktivisten“ und kritiklose Journalisten tun und propagieren bei uns das Gegenteil von dem, was man in Australien erfolgreich zur Reduzierung der Opferzahlen tut, und sie klopfen sich auch noch gegenseitig eifrig auf die Schultern, was für bessere Menschen sie doch deswegen seien.

Am Rande: Seltsamerweise regen sich Vertreter der oben beschriebenen Wertegemeinschaft nicht darüber auf, daß Syrien einerseits traditionell eines der gastfreundlichsten säkularen arabischen Länder war, dessen Bürger selbst immer wieder Flüchtlinge aufgenommen haben, oft in großer Zahl. Andererseits werden die Syrer nun, da sie einmal selbst Hilfe bräuchten, von ihren frömmelnden arabischen Brüdern, insbesondere von den reichen Golfstaaten, im Stich gelassen. Syrien war unter anderem Zufluchtsort für Armenier (1914), Kuwaitis (1990), Iraqis (2003), Libanesen (1996, 2006), selbst Griechen und viele andere. Dagegen ist die Rechnung einfach, wieviele syrische Flüchtlinge bisher in Saudi Barbarien, Kuwait, Qatar, den Emiraten und in Bahrein untergekommen sind: Jeweils 0 (Null).

Brüderliche Zaungäste, Karikatur der „Muslim Mamas“ mit folgendem Text: „Refugees welcomed by Saudi... 0, Kuwait... 0, Qatar... 0, Emirates... 0, Bahrain... 0“

Brüderliche Zaungäste, Karikatur der „Muslim Mamas“ mit folgendem Text: „Refugees welcomed by Saudi… 0, Kuwait… 0, Qatar… 0, Emirates… 0, Bahrain… 0“

Eine Aktivistengruppe, „Muslim Mamas“, zeigte durch eine Karikatur, was sie von dieser arabischen Solidarität hält. Wohlgemerkt könnten anstelle der Herren mit Kopfwindel hier auch alle anderen oben genannten Verantwortlichen stehen, ohne Veränderung der Bildaussage.

Allen Vorgenannten müßte man eigentlich Aylan Kurdi und die anderen Toten aus dem Mittelmeer vor die Haustüren legen!

Empfehlung:
Wer etwas für die tapferen Kurden tun will, die ihre Heimat gegen mohammedanische Massenmörder und gegen die Schergen und Bomben des faschistischen Islamisten Erdogan verteidigen, möchte bitte einmal diese Webseite besuchen:
http://kurdish-doctors.com/

2 Antworten zu Das tote Kind am Strand

  1. Walter Roth says:

    Nun ja, das Bild des toten Kindes hat mich schon getroffen, so etwas berührt.

    Trotzdem sollte man die Realität nicht ausblenden und die heisst nunmal, … dass der Vater mit seiner Familie nur nach Deutschland reisen wollte, weil er annahm, dort mehr Geld zu bekommen, ja weil er hoffte, dass man ihm dort seine Zahnbehandlung von 14000 Euro übernehmen würde.

    Seine Schwester in Kanada hat im Interview recht freizügig davon erzählt das sie diese Zahnbehandlung nicht finanzieren konnte und Kanada ihn auch nicht einreisen lassen wollte. Die Kanadier haben den Braten wohl gerochen.

    Als Ausweg kam Deutschland in Betracht, denn dort bekommt man, was man als illegaler Migrant erhofft, … eben auch eine Zahnbehandlung.

    Was mir noch aufgefallen ist, …offenbar trug der Vater eine Rettungsweste, der Rest der Familie nicht.
    Denke ich da an meine Frau, ich glaube nicht dass ich ein Boot bestiegen … ich eine Weste getragen hätte, meine Frau und Kinder aber nicht.

    Zu guter Letzt ist der Mann auch noch dorthin gereist … von wo er angab, das er flüchten musste und wo er nun seine Familie beerdigt hat. Er hat damit seine ganze „Fluchtgeschichte“ selber ad-absurdum geführt.

    Deutschland wird nun wohl mit Millionen solcher Menschen geflutet, 1 Millionen dieses, 2 Millionen im nächsten Jahr. Und die Politik wird keine Umkehr wagen, sie ist in ihrem eigenen Links-ideologischen Denken gefangen. Sie haben ihren Unsinn so lange erzählt, dass sie ihn nun wohl selber glauben … müssen.

    Politiker wie ein Franz Josef Strauss … der ja heuer 100 geworden wäre, die haben auch Fehler gemacht, und weil der Franz Josef ein Mann mit starkem Charakter war, hat er seine Fehler auch noch mit Innbrunst gemacht, aber solche Männer hätten es gewagt, eine Umkehr einzuleiten.

    Das heutige charakterlose Gesindel in Berlin wird das nicht schaffen, dafür werden sie ihr Volk einem Flächenbombardement der Propaganda unterziehen.

  2. Walter Roth says:

    Diese Website kann ich nur bestens empfehlen.

    http://nicolaus-fest.de/

    Ich habe selten einen Blog gelesen, in dem so präzise auf den Punkt gerichtet kommentiert wird.

    Herr Fest schreibt entspannend direkt, prägnant kurz, und treffend.

    Ich versuche den Deutschen seit vielen Jahren bewusst zu machen, dass ihre Demokratie am untergehen ist, merke aber auch immer an, dass bei uns in der Schweiz dieselben Tendenzen auch vorhanden sind. Die Wahlen in 6 Wochen werden für uns eine Jahrhundertwahl sein.

    Aber zum Blog von Nikolaus Fest.

    Die folgenden Zeilen treffen es unglaublich gut, denn ein Volk welches „mehrheitlich“ seine Kultur nicht mehr verteidigt, sich gegen seine eigene Relativierung wehrt, so eins vermisst am Ende niemand mehr.

    Zitat:

    Ein älterer jüdischer Bekannter, der im letzten Jahr die anti-semitischen Haßgesänge der Muslime in Frankfurt erlebte (gemeint ist: „Hamas, Hamas, Juden ins Gas!“ WR) merkt dazu an: „Zweimal haben die Deutschen im letzten Jahrhundert Europa ins Chaos gestürzt, jetzt machen sie es mittels der islamischen Invasion ein drittes Mal. Aber diesmal werden sie vollständig mituntergehen, doch ist es, anders als früher, kulturell kein Verlust mehr.“

    Tja, niederschmetternd so ein Fazit.

    Noch könnte man etwas tun, „denn noch arbeiten die Parlamente“, wie Prof. Schachtschneider es ausdrückte.

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