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Hans Michael Hensel

Unerträgliches Pfaffengeschwätz

Margot Käßmann. Bild: Wikipedia.

Ich hab’ sie satt! Jeden Tag diese frömmelnden Gesichter in den Medien! Sie überfordern mich! Dieses täglich neu erzeugte Gefühl, in einer Pfaffenrepublik zu leben! Dazu die immer unerträglichere alleinseeligmachende Wahrheitspresse! Ein muffiger Post-Achtundsechziger Gottesstaat mit systemnotwendigen journalistischen Pharisäern und Schriftgeleerten!

Seit Monaten, genauer: seit Beginn der Murkselschen Glücksritter- und Deserteur-Einladung, kriechen sie wieder besonders oft aus ihren eigentlich längst zugeschüttet geglaubten Löchern. Und eifrig wollen sie uns, wie Anno Hexenverbrennungsmals, jetzt wieder von Problemen befreien, die wir ohne halluzinierende Frömmler, diese verlogenen Heuchler und Maden im Speck der Dummheit ihrer Mitbürger, gar nicht hätten!

Unsere Bundesabkanzlerin und Oberbetschwester ist sich nicht zu schade, ihren Schäflein zwecks Rettung der abendländischen Kultur, welche die allerhöchste Pfaffentochter selbst mit großer Standfestigkeit an die Wand zu fahren geruht, zu empfehlen, doch wieder öfter die einst durch drohendes Fegefeuer so beliebten Indoktrinationsveranstaltungen mit Götzendienst zu besuchen. Dort werden seit 2000 Jahren wertvolle Tipps gegeben, wie man die Hölle vermeidet. Die Hölle ist eine Problemzone, in die sich nicht mal die Polizei reintraut. Vielleicht liegt sie in Marxloh, Köln oder Neukölln, in Talibanistan, Saudi Barbarien, oder im Freundeskreis von Ralf Stegner, Heiko Maaslos und Fatima Bohnenstroh.

Eine hochnotpeinliche Ex-Oberpfäffin faselt davon, daß man es im Umgang mit Terroristen doch mal mit Liebe versuchen sollte. Ich habe keine Ahnung, was sie einnimmt, aber vielleicht hat sie sich auch nur die neueste Sex-Botschaft der Bundesregierung zu oft reingezogen. Nur dann kriegt sie von mir mildernde Umstände.

Aber was ein vermeintlich nüchterner, im unheiligen Konkubinat lebender pfäffischer Bundesgauckler und die ihm zugeneigten Pfäffinnen und Pfaffen und Gutmenschinnen und Gutmenschen alle naslang in den Indoktrinierungs- und Wahrheitsmedien an politischen und gesellschaftlichen Geistesblitzen absondern dürfen, oder nein: daß sie sich dort überhaupt und fast immer ohne kritische Gegenrede als Moralapostel oder auch nur als Experten der Einfalt und Heuchelei aufspielen dürfen, das finde ich derart ätzend, daß mir die Worte fehlen, um diesen unsäglichen Stuß näher zu beschreiben.

Allerorts werden uns in Talkshows und Interviews die milde lächelnden, auf mich oft unendlich dumm wirkenden Gesichter von klerikalen Einfaltspinseln wie als Leitmotiv zugemutet. Man muß sich das mal vorstellen: Das sind Leute, die normalerweise über brennende Dornbüsche halluzinieren. Einerseits verzapfen sie uns 400 Jahre nach Giordano Bruno und fast 150 Jahre nach Darwin immer noch ihre lächerliche Mär von Jungfrauengeburt, heiligem Geist und der Wiedergängerei, andererseits wollen sie aber allen Ernstes in öffentlichen Debatten über Probleme der Neuzeit mitreden.

Am peinlichsten finde ich, daß die pfäffischen Weisheiten dieser Experten des nutzlosen Wissens sogar von eigentlich gebildeten Menschen – was Journalisten jedenfalls sein sollten –, oft tatsächlich ernstgenommen werden.

Nun mag ja auch ein halluzinierendes Pfäfflein mal ein Korn finden, vor allem dann, wenn es, wie viele seinesgleichen, eifrig nachgackert, was andere todesmutig vor Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten gesagt oder geschrieben haben. Todesmutig waren die Alten deswegen, weil sie seinerzeit oft für ihre Rede mit Hilfe von Klerikern jeder Ausrichtung und deren Folterknechten geköpft, verbrannt, gekreuzigt oder – etwas moderner – von eifrigen Agenda-Medien und ihrem gläubigen Gutmenschenpublikum gesellschaftlich geächtet wurden.

Ich gönne eigentlich jedem sein gefundenes Körnlein, darob erfolgtes pfäffisches Gackern finde ich dennoch bestenfalls peinlich, und zwar gerade und vor allem deswegen, weil es aus ihrem Munde kommt. Ich habe keinen Respekt vor Frömmlern, die heute nichts anderes tun, als Dinge zu sagen, die noch gestern nur diejenigen mutig öffentlich sagten, die durch Vertreter der frömmelnden Lügenvereine unter anderem als unwürdig bezeichnet wurden, sich Christ zu nennen. Und denen sie bei friedlichen Demonstrationen demonstrativ die Lichter ausgeschaltet haben.

Wer heute, 400 Jahre nach Beginn der Aufklärung, und nach einer Erziehung an europäischen Universitäten im 21. Jahrhundert, freiwillig als Kleriker sein Leben fristet, kann das eigentlich nur aus zwei Gründen tun. Nach meiner Überzeugung gehört dazu entweder eine gehörige Portion Hirnwäsche und Dummheit (nur diese ist vielleicht zu entschuldigen) oder aber eine gehörige Portion Opportunismus, List, Heuchelei und Lüge. Eine andere Möglichkeit existiert nicht, oder wer könnte sich ernsthaft noch eine dritte vorstellen?

Jede andere Organisation mit der jahrhundertelangen kriminellen Bilanz der religösen Frömmler- Heuchler-, Lügner-, Räuber-, Folterer-, Kindesmißbrauchs- und Urkundenfälschervereine, für die diese Kleriker stehen, ja durch die sie überhaupt erst auf unser aller Kosten gesellschaftlich existieren, wäre heute in jedem Staat mit einer ernstzunehmenden rationalen Rechtsordnung zurecht und schon seit langem verboten, ihre Anführer wären im Gefängnis und ihr Vermögen eingezogen.

Die Kirchen und ihre Leeren, das, woran sie zu glauben vorgeben, sind moralische und intellektuelle Leichen. Jeder denkende Mensch, ja jedes aufgeweckte, nicht hirngewaschene Kind erkennt das. Indes sind die Leichen so groß, daß sie uns noch für Jahrhunderte die frische Luft zum Atmen rauben und verpesten werden.

Daß diesen Wiedergängern, Einfaltspinseln und Heuchlern in unserem eigentlich säkularen Staat heute überhaupt eine wesentliche öffentliche Beachtung geschenkt wird, ist für mich eines der Hauptärgernisse der verlogenen Asylforderer- und Islamdiskussion, in einer Zeit, in der das aufgeklärte Abendland von ausgesprochenen Dummköpfen, aber dennoch, wie mir scheint, ganz bewußt, auf die Müllhalde der Geschichte gefahren wird.

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